5 Tipps für ein gut untergebrachtes Kalb in guter Gesundheit
In den ersten Lebenswochen und über die ersten vier Wochen hinaus, wenn das junge Kalb besondere Aufmerksamkeit und Pflege erfordert, ist eine gesunde und komfortable Unterbringung unverzichtbar. Für einen maximalen Komfort müssen fünf Kriterien beachtet werden: die Temperatur, die Belüftung, der Feuchtigkeitsgrad, die Richtung und die Fläche pro Tier.
5. EINE HÜTTE FÜR JEDE GRÖSSE
In den ersten Lebenswochen müssen die Kälber in individuellen Hütten
untergebracht werden. Die individuelle Kälberhütte muss mindestens
genauso lang sein wie die Länge des Kalbes zuzüglich 10 % (Länge von
der Nasenspitze bis zum Hinterteil). Die Breite muss mindestens der
Schulterbreite des Kalbes entsprechen (aufrecht stehend).
Ab dem Alter von 8 Wochen müssen die Kälber in einer Gruppe
untergebracht werden. Die Abmessungen der Gruppenhütten müssen an
die Größe der Tiere angepasst werden. Solange die Kälber nicht abgesetzt
wurden, werden große Gruppen am besten vermieden. Homogene Gruppen
von 5 bis 6 Kälbern können zudem besser beaufsichtigt werden.
Kälbersterblichkeit
Junge Kälber sind bis zum Absetzen empfindlich. Die Sterblichkeit von
jungen Kälbern ist daher ein großes Problem für die Milchviehbetriebe.
Die meisten Sterbefälle, die vor dem Absetzen auftreten (mit
Ausnahme der Sterblichkeit beim Abkalben), werden durch
Erkrankungen der Atemwege und Durchfall verursacht. Eine
Untersuchung, die in Frankreich durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass
das Risiko der Sterblichkeit für junge Kälber unter einem Monat 10,2 %
beträgt, wobei nahezu sieben von zehn Sterbefällen sich innerhalb der
ersten 48 Stunden ereignen.
Zwischen einem und zwei Monaten beträgt das Sterblichkeitsrisiko
1,3 %, und im Alter von zwei bis sechs Monaten nimmt das Risiko
um 2,3 % zu. Ein neugeborenes Kalb hat schließlich eine begrenzte
Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, da es nahezu keine
zirkulierenden Antikörper besitzt, die die Krankheitserreger zerstören
können.
Ein Kalb baut sein Immunsystem durch die Antikörper auf, die im
Kolostrum enthalten sind, das es in den ersten Lebensstunden durch
Trinken aufnimmt. Da Krankheitserreger oft durch Ansteckung
zwischen den Tieren untereinander übertragen werden, ist es besser,
die jungen Kälber in getrennte Hütten unterzubringen.
Empfehlungen für eine gesunde und ausgewogene Fütterung für junge Kälber
Für eine gesunde und ausgewogene Fütterung, die für das Wachstum von Kälbern förderlich ist, müssen
eine Reihe von Regeln eingehalten werden:
1. EINWANDFREIE HYGIENE
Die Hygiene und Reinigung der Ausrüstung für die Verabreichung von Milch ist
von wesentlicher Bedeutung, denn nicht oder schlecht ausgewaschene Eimer
können sich in einen Herd von Krankheitskeimen verwandeln. Aus diesem
Grund ist es unerlässlich, das gesamte Material, das für die Zubereitung und
Verabreichung der Milch dient, nach jedem Gebrauch zu reinigen.
2. GENAUE MILCHZUBEREITUNG
Wenn die Kälber mit Milchaustauschfuttermitteln gefüttert werden, entstehen große Probleme durch eine schlechte Zubereitung der Milchaustauschfuttermittel. Die Milch muss schließlich perfekt homogen sein und mit einer
Temperatur von 40 °C verabreicht werden.
3. EINFACHE MILCHVERABREICHUNG
Beim Jungkalb ist es besser, die Milch mit einem höher gelegenen Eimer
und Sauger zu verabreichen, da dies den Speiseröhren-Reflex und den
Speichelfluss fördert.
4. SO SCHNELL WIE MÖGLICH FESTES FUTTER ANBIETEN
Festes Futter (in Form von Kraftfutter und Futterpflanzen) muss so schnell
wie möglich angeboten werden. Das Kalb muss über qualitativ hochwertiges
Kraftfutter und Rohfutter frei verfügen können, aber am Anfang in geringen
Mengen, um Verschwendung zu vermeiden. Auch wenn der Pansen erst nach
dem ersten Monat richtig arbeitet, trägt das Vorhandensein von festem Futter
ab den ersten Tagen dazu bei, dass sich der Pansen schneller entwickelt.
Bei einer individuellen Hütte wird die Heuraufe am besten an der Rückwand
der Hütte oder an der Trennwand zwischen zwei Hütten angebracht. Wenn
die Kälber in eine Gruppenhütte umziehen, müssen Sie darauf achten, dass
Sie die Höhe der Heuraufe an die kleinsten Tiere anpassen.
5. WASSERZUGANG VOM JÜNGSTEN LEBENSALTER AN
Wenn die Kälber die Möglichkeit haben, dann fangen Sie ab dem zweiten
Lebenstag an, Wasser zu trinken (Wasserzugang ist erst nach zwei Wochen
vorgeschrieben).
Das Vorhandensein von Wasser fördert die Aufnahme von festem Futter,
wodurch sich der Pansen schneller entwickeln kann. Aus diesem Grund
wird empfohlen, immer einen Eimer mit frischem und kühlem Wasser beim
festen Futter bereitzustellen.
Wir empfehlen jedoch, innerhalb einer halben Stunde nach der Milchaufnahme kein Wasser zu geben, denn das Wasser, das in den Labmagen (die
Speiseröhre ist noch geschlossen) gelangt, kann einen Reflux hervorrufen.
Um zu verhindern, dass Wasser das feste Futter verunreinigt und weniger
appetitlich macht, stellen Sie das Wasser nicht in die Nähe des festen
Futters. Eine Trennwand zwischen den beiden Eimerhaltern ist daher eine
ausreichende Lösung für dieses Problem.
Die Bedeutung der Geschwindigkeit der Milchaufnahme
Kälber spielen in Ihrer Zucht eine wichtige Rolle, vom Aufbau Ihrer zukünftigen Herde bis zur Produktion
von hochwertigem Fleisch. Wenn es gut läuft, kann die Kälberaufzucht sehr lohnend sein, wenn es
schlecht läuft, ist es extrem stressig. Häufig, liegt das Problem nicht an dem was Sie füttern, sondern wie
Sie füttern.
Ermöglichen Sie ein natürliches Saugen für die Gesundheit des Verdauungssystem
Wenn ein Kalb am Euter einer Kuh säugt, übt es dabei Über- als auch Unterdruck aus (drücken und saugen). Das Zusammendrücken stimuliert die Zitze der Kuh, so dass diese Oxytocin freisetzt. Oxytocin bewirkt, dass die Alveolen im Euter sich zusammenziehen und die Milch aus diesen herausgepresst und durch die Zitze abgegeben wird. Das Säugen überwindet die Schließmuskelbarriere und ermöglicht es dem Kalb, Milch aus der Zitze zu saugen. Oxytocin führt NICHT dazu, dass Milch aus der Zitze fließt. Der Zitzenkanal muss physisch geöffnet werden, um Milch zu entnehmen. Das Kalb trinkt langsam, es braucht 4 bis 5 Minuten pro Liter Milch und produziert dabei viel Speichel. Der Speichel, der durch langsames Saugen entsteht, ist reich an Lactoferrin-Lactoperoxidase, einem Enzymsystem mit antioxidativen und antimikrobiellen Eigenschaften, das die Immunität erhöht und den Schutz der Kälber verbessert. Speichel gleicht den pH-Wert im Bauch aus, damit die Milch in einen dicken Quark» verwandelt werden kann. Die langsame Abgabe von Milch in Kombination mit dem Speichel gibt Lab und anderen Enzymen Zeit, die Milch gerinnen zu lassen, Lipasen können das Fett abbauen und die Laktose wird in Einfachzucker zerlegt und in die Blutbahn aufgenommen. Der natürliche Saugprozess mit Einsatz von Über- und Unterdruck hilft, die Schlundrinne zu aktivieren. Sie bildet einen Schlauch, der die Milch am Pansen vorbei in den Labmagen leitet.
Laktoseabsorption & alimentäre Durchfälle
Alimentäre Durchfallerkrankungen hängen von zwei Hauptfaktoren ab:
schlechte Verdauung und Stress. Stress kann verschiedenste Ursachen
haben. Zum Beispiel kann er durch unregelmäßiges Füttern, plötzliche
Schwankungen in der Milchzusammensetzung oder schlechte Milchqualität
ausgelöst werden. Umweltfaktoren wie ein schlagartiger Wetterumschwung
können ebenfalls eine Rolle spielen.
Verdauungsstress ist ein Schlüsselfaktor. Wenn der pH-Wert im Labmagen
nicht ausgeglichen ist und die Säureproduktion reduziert ist, ist auch
Milchgerinnung und Milchprotein-Verdauung reduziert. Durch unvollständig
geronnene Milch im Labmagen wird viel überschüssige Laktose frei,
die dann in den Darm gelangt. Hier bietet diese Laktose eine perfekte
Nahrungsgrundlage für pathogene Bakterien wie z.B. E.Coli, die sich
nun ungebremst vermehren können. Dieser Mechanismus ist einer der
Hauptursachen für alimentäre Durchfälle bei jungen Kälbern.
Neben den zusätzlichen Kosten und erhöhtem Arbeitsaufwand, die durch
ein Kalb mit Durchfall entstehen, haben Studien zusätzlich gezeigt, dass
Kälber, die vor dem Absetzen eine alimentäre Durchfallerkrankung durch
gemacht haben, eine reduzierte DTZ haben. Durch die reduzierte Zunahme
kann wiederum später eine reduzierte Konzeptionsrate folgen. Weitere
Studien haben bewiesen, dass alimentäre Durchfälle bei Kälbern langfristig
eine niedrigere Milchleistung in der ersten Laktation zur Folge haben.
Ursachenforschung:
Zusätzlich zu reduziertem Umwelt-Stress, sind die Verbesserung der
Verdaulichkeit und Laktose-Absorption die wichtigsten Maßnahmen, um
alimentäre Durchfälle zu reduzieren. Aus Forschungsstudien wissen wir,
dass Trinken mit einem kontrollierten Milchfluss einen positiven Effekt
auf die Verdauung hat, in dem die Milchgerinnung und Laktoseabsorption
verbessert wird. So wird durch das Füttern der Kälber mit einem Sauger,
der einen langsamen, natürlichen Milchfluss bietet, die Speichelproduktion
angeregt und am Ende auch zusätzliche Arbeit reduziert.
Gewichtszunahme
Die durchschnittliche tägliche Zunahme (DTZ) ist das Gewicht in Gramm,
das an einem Tag zugenommen wird. Eine gute DTZ hat langfristige,
positive Auswirkungen wie eine bessere Konzeptionsrate und eine höhere
Milchleistung in der ersten Laktation, um nur einige zu nennen.
Eine verbesserte Laktoseaufnahme ist der Schlüssel, um Ihre Kälber die
Vorzüge ihres Futters vollständig ausnutzen zu lassen. Laktose stammt aus
der geronnenen Milch im Labmagen. Es wird vom Körper in Glukose und
Galaktose zerlegt und in diesen Formen in die Blutbahn aufgenommen. Dies
ist die wichtigste Energiequelle von sehr jungen Kälbern.
Bei Trog-Tränken oder Saugern mit zu schnellem Fluss wird die
Laktoseabsorption reduziert und die Kälber können nicht alle Vorzüge ihres
Futters ausnutzen.
Durch den regulierten Milchfluss kann das Verdauungssystem vollständig
funktionieren und eine maximale Umsetzung von Futter in Zunahme
ermöglichen.
Gegenseitiges Besaugen reduzieren
Gegenseitiges Besaugen wird es genannt wenn Kälber nach der Milchmahlzeit an einander oder anderen Gegenständen saugen. Dieses Verhalten
kann leicht übersehen werden, wenn nur die Tränken gefüllt und die Kälber
dann allein gelassen werden. Es lohnt sich aber die Kälber bis nach dem
Trinken auf gegenseitiges Besaugen zu beobachten, da es kurzfristige
und langfristige Folgen wie Infektionen haben kann. Wenn Sie Ihre Kälber
bis nach dem Trinken beobachten, werden Sie sehen, das die Zeit in der
die Kälber sich gegenseitig besaugen, direkt mit der Trinkgeschwindigkeit
zusammenhängt.
Zum Beispiel: Wenn ein Kalb 4L mit einer natürlichen Geschwindigkeit trinkt
braucht es dafür 12 - 15 Minuten. Nach dieser Zeit wird dieses Kalb ruhig
und zufrieden sein. Der Drang zu saugen ist befriedigt. Wenn dieses Kalb 4L
in nur 8 Minuten oder weniger trinkt, dann wird es die nächsten 4-5 Minuten
an anderen Dingen oder Kälbern saugen, um den natürlichen Saugdrang zu
befriedigen.
Warum ist das ein Problem:
Kurzfristige Probleme wie Nabelentzündungen sind ärgerlich und nehmen
Geld und Zeit in Anspruch. Wir sind allerdings mehr auf Grund der
langfristigen Schäden durch gegenseitiges Besaugen besorgt. Durch das
Saugen am Euter wird der schützende Keratin-pfropf entfernt und das
noch nicht vollständig ausgebildete Euter bleibt ungeschützt von Bakterien
zurück. Deshalb steht gegenseitiges Besaugen im direkten Zusammenhang
mit Mastitiden bei Färsen.
Wie kann man das beheben:
Wenn man es Kälbern ermöglicht mit einer natürlichen Geschwindigkeit zu trinken, wird sich das Problem des gegenseitigen Besaugens von allein lösen. Es ist tatsächlich so einfach!
ZUR ERINNERUNG
- Ein regulierter Milchfluss schützt den Pansen
- Eine reduzierte Trinkgeschwindigkeit reduziert Durchfälle
- Kontrollierter Milchfluss lässt DTZ ansteigen
- Umso langsamer ein Kalb trinkt, desto weniger wird es andere besaugen